Die Blaudruckwerkstatt bewahrt eine alte Tradition, die Ende des 17. Jahrhunderts in unsere Gegend gelangte. Damit gilt sie als die vermutlich älteste Blaudruckerei in Deutschland.
Seither hat sich die Art und Weise der Herstellung kaum verändert. Es wird mit der Reinigung des Stoffes (Leinen oder Baumwolle) in kochender Sodalösung begonnen. Zum Abdecken der Muster verwendet man eine breiige, gelbgrüne Masse, von den Druckern Papp genannt. Dieser Papp muss fest auf dem Stoff haften. Das Geheimnis liegt in der Rezeptur der Zusammensetzung, die man streng geheim hielt.
Der Schatz einer jeden Blaudruckerei sind die Druckstöcke, auch Model genannt. Die Muster eines Druckstockes sind erhaben aus Birnbaumholz herausgeschnitten, oder sie entstehen durch eingearbeitete Messingstreifen und Stifte. Dieses Model stellt noch heute ein in Pulsnitz ansässiger Formenstecher her. Nach dem Färben mit Indigofarbe wird der Stoff in verdünnter Schwefelsäure gespült und zum Trocknen aufgehangen. Nun erscheinen die Dekors strahlend weiß auf blauem Grund.
Diese Stoffe werden sowohl als Meterware für Folklorebekleidung als auch konfektioniert in Form von Gardinen, Vorhängen, Tischdecken und Läufern gern gekauft. Das kleine Lädchen bietet auch originelle Accessoires, ein spezielles Oster- und Weihnachtssortiment sowie individuelle Anfertigungen an. Die Inhaberin lädt zu Führungen ein und die Besucher können sich an bestimmten Angebotstagen selbst ihre Blaudruckdeckchen mit Original-Modeln gestalten.
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Eines der bedeutendsten alten Gewerbe in unserer Stadt ist die Töpferei. Eine alte Chronik berichtet, dass schon im 17. Jahrhundert dieses Handwerk in Pulsnitz ausgeübt wurde. Zur Blüte gelangte es, nachdem am 12. August 1745 die damalige Schlossherrschaft zu Pulsnitz den Töpfern die Innungsgründung gestattete.Zahlreiche Tonvorkommen um Pulsnitz waren sicher ein Grund zum Entstehen dieses Gewerbes.
Ein Meisterstück der Töpferkunst ist zweifellos der Altar in der Pulsnitzer Nicolaikirche, welcher von der Innung gestiftet wurde. Während um 1900 noch 15 Töpfereien mit 70 Scheibentöpfergehilfen in Pulsnitz existierten, gibt es heute in unserem Städtchen nur noch drei Töpfereien. Die Töpferei Jürgel auf dem Julius-Kühn-Platz ist die wohl älteste noch produzierende Töpferei in Deutschland. Michael Jürgel betreibt sie in der sechsten Generation. Im noch existierenden alten Brennhaus mit einem Kasseler Langofen aus dem 16. Jahrhundert kann man noch heute die Brenntechnik alter Zeiten nachvollziehen.
Beim Besuch der Bunzlauer Werkstätten brachten Familienangehörige die Schwämmeltechnik um 1908 nach Pulsnitz und in die Oberlausitz. In der Pulsnitzer Werkstatt wurden die Bunzlauer Grundfarben blau, dunkelgrün und hellbraun auf gelb, hellgrün, türkis und dunkelbraun erweitert, so dass die Keramik durch ihre bunten und leuchtenden Dekore geprägt wird. Die Werkstatt von Michael Jürgel ist ein Familienbetrieb und fast alle Keramikstücke werden noch auf der traditionellen Fußtöpferscheibe gedreht und anschließend mit viel Liebe und Können mit dem volldeckendem Schwammdekor bemalt.
Eine kleine Keramikwerkstatt befindet sich seit 2013 im ältesten Stadtteil von Pulsnitz, auf dem Polzenberg 2. Die einst städtische Töpferei „Oberlausitzer Volkskunstkeramik“ auf der Gartenstraße 5 übernahm 1993 Töpfermeister Edgar Lehmann, der aus einer traditionsreichen Töpferei in Neukirch (Oberlausitz) stammt. Somit wurde auch die typische Oberlausitzer Bemalung in Form der Gießbüchsenmalerei weiter gepflegt. Traditionelle Motive wie die Hochzeitsvögel sowie die Formen und Farben blau und braun blieben bewahrt. 1999 ging das Unternehmen in die Töpferei Karl Louis Lehmann GmbH über. Der dazugehörige Laden bietet ein breites Töpferwarensortiment verschiedener Werkstätten an und lässt auch einen Blick beim Malen zu.
In der Töpferei auf der Gartenstraße nutzte auch Peter Petersdorff einige Räume. Ehe er sich 2005 hier niederließ besuchte er 60 Töpfereien auf fünf Kontinenten und brachte von dort neue Ideen aber auch althergebrachte Methoden mit, die er in seine Arbeiten einfließen lässt. Seit 2006 ist die Töpferei an diesem Standort gänzlich erloschen. Jetzt befindet sich dort ein Werbestudio.
Während der 70er und 80er Jahre entstanden Plastiken aus Beton von Harry Schulze, dem ehemaligen Leiter der Oberlausitzer Volkskunstkeramik, wie die Mädchengruppe als Marktbrunnenfigur und die zwei Turnerinnen, die beide heute vor dem Stadtmuseum stehen. Von dem verstorbenen Pulsnitzer Künstler Werner Schmidt blieb ein Wandrelief im Ratskeller erhalten. Zahlreiche Wandteller und eingelassene Reliefs an der Fassade sowie im Garten stehende Plastiken wie die Blumenfrau und der Taubenbrunnen weisen auf sein ehemaliges Wohnhaus auf der Bachstraße 14 hin.
Töpferei Jürgel
Nur eine Minute vom Marktplatz in Pulsnitz entfernt befindet sich die Ostsächsische Kunsthalle.
Privater Träger ist der 1991 gegründete Ernst-Rietschel-Kulturring e.V., ein Kunstverein der ebenfalls Träger der Galerie im Geburtshaus Ernst Rietschels in der Rietschelstr. 16 ist. Mit seinen über 100 Mitgliedern deutschlandweit erfüllt er als bedeutende Kunst- und Kulturinstitution überregional wichtige Aufgaben. Mehr als 200 Ausstellungen organisierte der Verein an unterschiedlichsten Ausstellungsorten. Die bedeutendste Ausstellung war 2010 die Gerhard Richter-Präsentation „Übersicht“. Über 100 Kataloge und Schriften zur Bildenden Kunst gab der Kulturring begleitend zu den Ausstellungen heraus. Der Ernst-Rietschel-Kulturring e.V. ist u. a. Mitglied im Arbeitskreis Deutscher Kunstvereine und in der Arbeitsgemeinschaft deutscher Bildhauermuseen.
Großzügige Stiftungen, private Spenden und Vermächtnisse von Kunstfreunden und Künstlern bilden den Grundstock einer immer umfangreicher werdenden Sammlung. Förderungen des Kulturraumes Oberlausitz Niederschlesien und der Stadt Pulsnitz bilden die Grundlage für die Ausstellungstätigkeit des Ernst-Rietschel-Kulturringes e.V.
Kontaktdaten
Ernst Rietschel Kulturring e.V.
Sabine Schubert
Rietschelstraße 16
01896 Pulsnitz
Tel. 03 59 55/4 23 18